Autor: Dennis Klappholz | Permalink

Vor ca. drei Wochen hatte ich die Möglichkeit, der Marketing 2.0 Conference in Paris beizuwohnen. Auf dieser Konferenz treffen Fachleute aus allen Marketing- und Kommunikationsbereichen aufeinander, um über die Zukunft von Marketing, Social Media, Werbung und Technologie zu diskutieren. Es war eine tolle Erfahrung. Neben dem Zusammenkommen mit vielen interessanten Personen hat mich besonders die Vielzahl hochkarätiger Redner beeindruckt. Egal ob Steve Knox (CEO von Tremor – Procter & Gamble), Michael Aidan (Marketingleiter Evian weltweit) oder Christopher Barger (Director Social Media General Motors) ­– es wurden überdurchschnittlich viele interessante Cases und Studien vorgestellt.

In diesem Blogartikel werde ich mich dem klasse Vortrag von Michael Aidan zum Evian-Case „Roller Babies“ widmen.

Ich gehe stark davon aus, dass mindestens 90% der Leser dieses Blogposts den Evian „Roller Babies“ Viral bereits gesehen haben. Dieser von der Agentur BETC Euro RSCG konzipierte Viral ist mit aktuell 22.163.731 Views auf YouTube (Herr Aidan sprach von etwa 100 Mio. Views overall, d.h inklusive der Views zusätzlicher Uploads) der bis dato erfolgreichste kommerzielle Viral.

Für alle Leser, die den Viral noch nicht kennen, hier der Link zum Video:

http://www.youtube.com/watch?v=XQcVllWpwGs

Bis zu der Präsentation von Michael Aidan habe ich keine Quelle finden können, die darüber Auskunft gibt, welches Media-Budget in die Kampagne geflossen ist. Auch ist mir keine Pressemitteilung seitens Evian über den Weg gelaufen die sich zu Entwicklung der Absatzzahlen oder Imagewerten seit Kampagnenstart äußert.

Die Fragezeichen diesbezüglich hat Herr Aidan mit seiner Präsentation beseitigt. So sagte er beispielsweise, dass die „Roller Babies“ nach Upload des Clips am 03.07.2009 in 7 Ländern (Frankreich, Belgien, Schweiz, Deutschland, USA, UK, Japan) bei YouTube für 24 Stunden auf der Startseite (Autoroll Expand – Fenster rechts oben) eingebucht wurde. Zusätzlich wurde eine TV-Version in Frankreich und Belgien veröffentlicht (zu Zeitraum, Umfang und Media-Budget aus dem Bereich TV hat er sich leider nicht geäußert). Weitere Media Maßnahmen waren eine Kinoversion in der Schweiz, ein Kampagnen-Event in Deutschland, Promotion am französischen Flughafen sowie die Promotion der Kampagne während der US Open in den USA.

Dieser Input bringt etwas Licht ins Dunkel. Wenn man berücksichtig, dass eine Startseitenplatzierung auf YouTube von 28.000€/Tag bis zu 82.000€/Tag kostet, dann kann man in etwa hochrechnen, wie viel Evian (online) in die Kampagne investiert hat – von den Produktionskosten des Virals, der Promotion und sonstiger Kampagnen-Events mal ganz zu schweigen. Wer also immer noch glaubt, dass virales Marketing nichts kostet und eine Million Views auf YouTube täglich vom Himmel fallen, sollte sich diese Zahlen deutlich vor Augen führen.

Weitere strategische Maßnahmen die Herr Aidan dargelegt hat, welche im Rahmen eines professionellen Seedings Bestandteil der Leistung sind, waren zum einen die Nutzung des konzerneigenen Netzwerkes (E-Mail an 12.000 Mitarbeiter von Danone – Mutterkonzern der Marke Evian – mit Verweis auf die Premiere des Virals; „Viral starts at home“) und zum anderen die Ansprache von 30 einflussreichen Bloggern.

Neben strategischen Media Maßnahmen hat Herr Aidan außerdem einen Einblick in die Kampagnenstrategie gegeben. Noch bevor überhaupt ein Videocontent online ging, wurde am 29.05. ein „Remix Contest“ zum späteren Song des Virals „Rapper’s Delight“ in allen bekannten Social Networks (MySpace, Facebook etc.) gestartet. Außerdem wurden bereits am 04.06. und 15.06. die Teaser Virals „Baby MoonWalk“ (Views aktuell: 5.744.648) und „Baby Break Dance“ (Views aktuell: 4.778.246) bei YouTube eingestellt. Diese flankierenden Maßnahmen sollten noch vor dem Upload der „Roller Babies“ Awareness für ein Thema schaffen sowie im Netz für erste Diskussion sorgen.

Jetzt kann man sich natürlich gut darüber streiten, ob die „Roller Babies“ auch ohne jegliches Media Budget und begleitende Maßnahmen ein Erfolg geworden wären. Ganz sicher wären sie das. Ganz sicher hätte die Kampagne dann aber auch nicht die Zahlen erreicht, die hier dokumentiert wurden.

Bedeutet dies für die Marketingstrategen in den Unternehmen, dass im Web 2.0 Media Budget nicht vonnöten ist, sobald der Content gut ist. Nein, auch wenn die „Roller Babies“ eindrucksvoll unter Beweis gestellt haben, dass Content weiter King ist („It’s not about being totally comprehensive, it’s acutally being edutaining it’s being charm it’s making something web users want to see“), ist ein strategisches Seeding (in welcher Form auch immer) weiterhin unabdingbar, um den Nährboden für einen späteren Erfolg zu legen!

Besonders imponiert hat es mir, wie Herr Aidan offen zugab, dass dieser herausragende Erfolg nicht in dieser Form vorauszusehen war. Er brachte es treffend auf den Punkt indem er sagte: „The best strategy is always made after the campaign“. Auch sagte Herr Aidan etwas Elementares bezüglich viralem Marketing allgemein. Seiner Meinung nach ist der „cost of failure or success limited“, wenn man die Kosten dieser Kampagne mit einer klassischen globalen TV-Kampagne vergleicht. Daher überrascht es nicht, dass sich Evian nach Aussagen von Herrn Aidan wie alle anderen Unternehmen immer noch im „Trial mode“ befindet.

Es überrascht nicht, dass eine derart erfolgreiche Kampagne, neben den Zahlen auf YouTube, signifikante Zuwächse in den für ein Unternehmen relevanten Bereichen erzielt hat, dennoch war es für mich besonders interessant, die Key Results der Kampagne zu lesen:

  • Massive Global PR noise, buzz and WOM („Within 2 Days we were on ABC, CBS, NBC, Fox News“)
  • Image: signifikant boost of brand visibility, preference and all atributes (iconitiy, health, origin/purity)
  • Sales: High volume impact – Nielsen AWAQS volumetric research results (France) (+ 7% organic growth during the ad; + 5% next 4 week)
  • Reach of new target: internauts
  • A global plattform with babies and youth at the heart of the brand

Quelle: Präsentation „Evian – Leveraging the web to become a Top Global Brand again“ (Michael Aidan, ESCP Europe, 22. März 2010)

Der Vortrag von Michael Aidan war nicht nur inhaltlich sondern auch menschlich hervorragend. Es ist ein Freude, einem Marketingverantwortlichen einer globalen Marke bei einem Vortrag zuzuhören, der nicht nur von Fakten und Selbstbeweihrauchung gespickt ist, sondern gleichzeitig dem Auditorium vermittelt wie viel Arbeit, Engagement und v.a. Mut nicht nur auf Agenturseite sondern besonders auch auf Unternehmensseite steckt. Ich würde mir wünschen, dass die Verantwortlichen in den großen Unternehmen mehr Experimentierfreude zeigen und sich von ihrem starren, seit Jahrhunderten gelernten Marketingdenken etwas öfter lösen. Habt Mut zur Veränderung, Mut zum Risiko und ab und an auch mal Mut für Entscheidungen aus dem Bauch heraus!

Aus diesem Grund möchte ich diesen Artikel mit vier Aussagen von Herrn Aidan schließen, die mir aus der Seele sprechen:

  • It’s a new world but not a hostile one
  • We need to accept the more limited control
  • We need to avoid falling into the old world’s bad habits & traps
  • Let’s change the way we think, let’s change the way we work and I think it will be a great great time for marketers

Für alle die es interessiert, hier ein Link zum Videomitschnitt des Vortrags:

http://www.dailymotion.com/video/xcoz5s_marketing-2-0-conference-michael-ai_tech

del.icio.us | Digg it | Mr. Wong
Autor: Christian Wilfer | Permalink

forward.jpg

In eigener Sache: Im Rahmen des 24. Internationalen Kurzfilmfestival Berlin, das vom 04. bis 09. November 2008 stattfindet, veranstalten interfilm Berlin und Zucker.Kommunikation mit dem „forward – international viral video award“ den ersten Wettbewerb für virale Filme auf einem Filmfestival in Deutschland. Wir sind mit unserem Hammer Jongleur Viral in der Shortlist und freuen uns natürlich über jede Stimme.

del.icio.us | Digg it | Mr. Wong
Autor: Christian Wilfer | Permalink

In einer schönen viralen Werbekampagne von Meetup werden wir daran erinnert, worum bei dem ganzen Social Media Zeug eigentlich geht…

Also, auch mal abschalten, aber vorher eure Freunde daran erinnern Unplug your friends ist die Microsite zur Kampagne.

Schönes Wochenende :)

P.S. Dies ist meiner erster funktionierender Post aus nem ICE bei 250 Sachen. Die T-Com macht sich :-D

del.icio.us | Digg it | Mr. Wong
Autor: Christian Wilfer | Permalink

Ein erstklassiges Beispiel von EA Games: Vielleicht hat EA das neue Tiger Woods 09 2008 Game einen Augenblick zu früh auf den Markt gebracht, denn wie die Gamer da draußen schnell herausfanden, gibt es einen kleinen Bug in dem Spiel. Tiger Woods beherscht es in dem Spiel nämlich seine Abschläge auch aus auf dem Wasser zu schlagen. Es dauerte nicht lange, da fand sich folgendes Video auf YouTube und die Schmach schien groß zu sein, denn sie machten sich über den “Jesus Shot” lustig:

“Huch!”, würde jetzt ein besorgter old-fashioned Marketer sagen. “Oh Gott, die sprechen schlecht über uns! Schnell den Kopf einziehen und warten bis der Buzz vorübergeht.” Nicht so EA. Stattdessen wurde kurzerhand ein Video gedreht, dass auf das User Video eingeht und eine Antwort fand:

EA hat die vermeidlichen Schwäche der Social Media für sich genutzt und daraus eine Konversation entstehen lassen.

Gefunden bei eikyo und ich gebe euch recht, eines der besten Social Media Marketing Beispiele, die ich kenne.

NACHTRAG: Kleines Manko – sie haben sich mit der Antwort 10 Monate Zeit gelassen via

del.icio.us | Digg it | Mr. Wong
Autor: Christian Wilfer | Permalink

Immer wieder hört man kritische Stimmen zu Virals. “Virals kommunizieren keine Markenbotschaften!”, “Virals geben für ihren viralen Selbstzweck den Marketinggedanken auf und legen nur Wert auf eine möglichst große Verbreitung!”, etc…. Na na na, wer wird denn gleich so negativ sein?! Mein momentaner Lieblingsviral bringt die Thematik selbstironisch auf den Punkt, stellt deswegen aber keineswegs seine Markenbotschaft in den Hintergrund :-)

del.icio.us | Digg it | Mr. Wong
Autor: Christian Wilfer | Permalink

Rob von trnd erklärt es auf YouTube

Diesmal nicht von commoncraft, aber dafür in plain german. Besonders schön die Metapher mit dem Konsumentensack, in den man alles reinschüttet :)

Tags: , , &
del.icio.us | Digg it | Mr. Wong
Autor: Christian Wilfer | Permalink

Erfreulicher Weise merken immer mehr Marken, dass es sinnvoll ist selbst zum Entertainment zu werden, statt dieses immer nur zu sponsern. Coke Zero hat das im Frühjahr bereits vorgemacht.
Jetzt kommt TWIX mit eine gutgemachten interaktiven Videosite in den USA. Interaktiv weil man einem Kerl dabei helfen kann bei einem Party Date zu landen. Smart, einfach, witzig und verdammt gut umgesetzt. Zumindest für meinen Geschmack.

twixcom.jpg

Via

del.icio.us | Digg it | Mr. Wong
Autor: Christian Wilfer | Permalink

Um eine mutmaßliche Printkampagne für die Markteinführung des iPhones in der Schweiz handelt es sich hierbei. Ein fingiertes Werbemittel behauptet der Pressesprecher der Swisscom. Es ist aber dennoch sehr viral

iphone_swisscom.jpg

Das iPhone wurde kurzerhand einiger Icons entledigt. Das optisch verkleinerte Gadget sorgt daher für für allerhand Gespräche:
432 results for iphone swisscom
Zugegeben, das Produkt sorgt auch ohne Werbung für allerhand Gespräche ;-)

Via

del.icio.us | Digg it | Mr. Wong
Autor: Christian Wilfer | Permalink

Via Ehrensenf :-)

del.icio.us | Digg it | Mr. Wong
Autor: Christian Wilfer | Permalink

Ein Spoof ist eine Veralberung oder Verulkung von etwas bereits dar gewesenen. Schönes Beispiel dafür ist der Dove Spove: Slob Evolution, der sich viral nahezu genauso gut verbreitet hat, wie das Original: Dove Evolution.

dove2.jpg

Wie ja letzte Woche bekannt wurde, haben wir für OBI einen Viral kreiert und verbreitet, der jetzt auch adaptiert wurde. Ein junger engagierter tschechischer Jongleur meint es genauso gut zu können, wie unser OBI Hammer Jongleur. Das Ergebnis seht ihr hier :-)

del.icio.us | Digg it | Mr. Wong